Gaudeamus Ball 2008
 
Mit unseren Köpfen Brötchen verdienen
30.10.06
Alter: 2 Jahre


VON: ELKE GERAUER


Kategorie: Wirtschaftszirkel

Randolf Rodenstock zu Gast beim CV-Wirtschaftszirkel Süd


München. Einen Spitzenfunktionär der bayerischen Wirtschaft konnte der Sprecher des CV-Wirtschaftszirkels Süd, Heinz Klinger, am 11. September 2006 begrüßen: Randolf Rodenstock, den Firmenchef des Münchner Traditionsunternehmens Rodenstock.

Der Unternehmer Randolf Rodenstock ist in zahlreichen Ehrenämtern aktiv. Er leitet die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw), die Vereinigung der Bayerischen Metall- und Elektroindustrie (VBM) und ist Präsidiumsmitglied des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI).

Rodenstock, der als Kuratoriumsmitglied der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft das viel beachtete Buch „Chancen für alle“ veröffentlicht hat, gilt als kritischer und engagierter Vordenker, der durch unternehmerische Konzepte überzeugt. Diesem Image wurde er vor den rund 70 Zuhörern im Wappensaal des Münchner Hofbräuhauses wieder einmal voll gerecht.

Mit harten Worten über die aktuelle deutsche Politik startete Randolf Rodenstock in sein Referat. Während man sich über 2,6 Millionen Menschen bedroht „sensationelle“ Wachstumsraten riesig freue, die immerhin halb so hoch wie die unserer Nachbarländer seien, übe man sich bei konkreten politischen Reformen in Geduld, äußerte ein von der Großen Koalition „ausgesprochen enttäuschter“ Randolf Rodenstock. „Ein Flickwerk ohne klare Linie“ sei diese Politik der Kompromisse, es fehle an einer Strategie für das Unternehmen Deutschland. Um Orientierung zu finden, sei ein säkularer Umbruch in mehreren Dimensionen nötig. Deutschland müsse sich seine Rolle in der Weltgemeinschaft wieder suchen.

Herausforderungen wie der Wandel von der Industrie- zur Wissensgesellschaft, die demografische Entwicklung, die Reform der Sozialsysteme sowie ein verkrusteter Arbeitsmarkt würden von unseren mutlosen Politikern erst gar nicht angepackt. Die Politik habe ihre Nachhaltigkeit verloren und die Deutschen das Vertrauen in die soziale Marktwirtschaft, so Randolf Rodenstock. Die soziale Marktwirtschaft habe aber eine hohe sittliche Qualität, denn sozial sei, was der Gesellschaft und nicht nur einer kleinen Gruppe nutze. „Der Markt an sich ist schon sozial“, zitierte der überzeugte Unternehmer den Gründervater der sozialen Marktwirtschaft, Ludwig Ehrhard. „Wettbewerb schafft Fortschritt und
Wohlstand“, so Randolf Rodenstock.

Die Aufgabe eines Unternehmers sei es im Übrigen nicht, Arbeitsplätze zu schaffen, sondern Güter und Dienstleistungen zur Verfügung zu stellen. Vom „Raubtierkapitalismus“ nimmt der bayerische Industriefunktionär aber Abstand, denn Wettbewerb brauche seine Regeln. Die soziale Marktwirtschaft in Deutschland sei völlig denaturiert und benötige dringend eine Revitalisierung, um wieder wettbewerbsfähig zu werden.

Um wieder auf einen nachhaltigen Wachstumskurs zu kommen, werde ein Vorgehen benötigt, das von der Bevölkerung akzeptiert wird. Randolf Rodenstock baut hier auf eine Drei-Säulen-Strategie. Die erste Säule müsse ein dramatischer Abbau von Subventionen sein. Durch die Ersparnisse, die Rodenstock mit rund 150 Milliarden beziffert, könnten große Steuersenkungen finanziert und der Haushalt saniert werden. Als dritte Säule fordert Rodenstock eine durchgreifende Reform der Sozialsysteme.

Die drei Säulen ruhen auf einem starken Fundament – der Bildungspolitik. „Wir müssen im weltweiten Wettbewerb mit unseren Köpfen Brötchen verdienen.“, so Rodenstock. Lebenslanges Lernen, eine hervorragende
Primärbildung und ein Umdenken in der Wissensvermittlung seien hierzu
notwendig. Es sollte nicht mehr nur Wissen gelehrt, sondern vielmehr Fähigkeiten und Schlüsselqualifikationen vermittelt werden. Auch die Elitebildung dürfe nicht vernachlässigt werden, um die Abwanderung
unserer gut und teuer ausgebildeten Akademiker ins Ausland zu verhindern. Der Weg, all dies zu erreichen, liege in mehr Autonomie der Bildungssysteme und mehr Eigenverantwortung – sowohl
der Bildungsträger als auch der Bürger. Auch fordert Randolf Rodenstock dazu auf, die Ausgaben für Bildung in Deutschland drastisch zu erhöhen. „Wenn wir 25 Prozent mehr für Bildung ausgeben würden, dann wären wir im europäischen Vergleich erst im oberen Drittel“ – pro Kopf und Monat wären das 40 Euro – zu teuer für die Zukunft Deutschlands?

„I have a dream“ schloss der Vordenker Randolf Rodenstock sein Referat – den Traum, dass mit gezielten Reformen bis zum Jahr 2015 die Arbeitslosenquote signifikant gesenkt werden und das durchschnittliche
Haushaltseinkommen der Deutschen um 18.000 Euro höher liegen könne als heute. Eine Perspektive, für die es sich zu kämpfen lohnt. Randolf Rodenstock wünscht sich dazu mutige Politiker mit hoher Leadershipkompetenz, aber er ruft auch jeden von uns persönlich dazu auf, aktiv zu werden und mutig zu sein, denn nur wer mit Mut an Dinge herangehe, könne wirklich etwas bewegen.






Dateien:
WS_Zirkel_Rodenstock_academia_06_06.pdf

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Gaudeamus-Ball 2009

am Freitag, 6.Februar 2009 im Deutschen Theater. Zur Kartenbestellung