ESA-Astronaut Reinhold Ewald (Rst) zu Gast beim CV-Wirtschaftszirkel Süd
München. Fast vier Jahre war Heinz Klinger (
Ae) Vorsitzender des CV-Wirtschaftszirkels Süd, jetzt hat er sein Amt an Peter J. Thelen (
Rst) übergeben. „Er hat den CV-Wirtschaftszirkel Süd zu dem gemacht, was er sein sollte: eine höchstgefragte und geschätzteEinrichtung mit international bekannten Referenten aus Politik undWirtschaft und kein weiterer Stammtisch Münchens“: Mit diesen Worten bedankte sich Karlheinz Götz (
Rup),Vorsitzender im CV-Rat und des AHB-Vorstandes, bei Klinger für sein Engagement. SeinDank galt auch Thomas Hartmann (Ae) und Rudolf Hautmann (Ae) für ihre langjährige organisatorische Unterstützung.
NachfolgerThelen konnte vor ca. 100 Cartellbrüdern und Gästen am 18. Juni 2007 gleich einen besonderen Referenten begrüßen: Reinhold Ewald (Rst), der 1997 als Wissenschaftskosmonaut an der zweiten deutsch-russischen Mission MIR teilgenommenhatte. 1999 wurde der promovierte Physiker Mitglied des European Astronaut Corps der ESA und ist seitdem für die operationelle Durchführung derCrew-Aktivitäten der Missionen mit ESA Astronauten zur
Internationalen Raumstation (ISS) verantwortlich.
„Die ISS ist nach dem Fall der Mauer das größte Gemeinschaftsprojekt aller Zeiten“, so Ewald. Sie werde gemeinsam von der ESA, den USA, Russland, Japan und Kanada in 400 Kilometern über der Erde gebaut. 2010 werde die Raumstation die Größe eines Fußballfeldes haben und 450 Tonnen Material umfassen, die vorher nie auf der Erde zusammengebaut wurden.
Die beiden größten Beiträge der ESA zur ISS seien das
Automated Transfer Vehicle (ATV), das größte und aufwendigste unbemannte Raumfahrzeug, was jemals in Europa gebaut worden sei, sowie das
Forschungslabor Columbus. Beide sollen noch in diesem Jahr an die ISS andocken. Deutschland engagiere sich führend innerhalb der ESA; das
Columbus Control Centre sitze nicht umsonst in Oberpfaffenhofen. Mit dem Deutschen
Thomas Reiter sei im vergangenen Jahr der erste europäische Astronaut sechs Monate auf der ISS gewesen.
Ziel der ISS sei die Forschung für die Erde, also der Aufbau von Knowhow und
Prozess-Techniken, vor allem in den Bereichen Humanphysiologie, Biologie, Physik und Technologie. Als Beispiele nannte der Astronaut ein verbessertes Verständnis von Verbrennungsvorgängen, Kristallwachstum, thermodynamischen Modellen, Materialien und vom menschlichen Körper. In Peer Reviews würden die besten wissenschaftlichen Vorschläge ausgewählt. Insbesondere die Schwerelosigkeit sei ein einzigartiges Forschungsinstrument, da sie auf der Erde langfristig nicht herzustellen sei, sagte Ewald. Interessanterweise sei etwa der im All auftretende Knochenabbau im Gegensatz zu Osteoporose reversibel – genauso wie das Puffy Face, eine Verjüngung des Gesichts, die durch die Wasserumverteilung hervorgerufen werde.
„Roboter haben bisher keinen Nobelpreis erhalten. Man kann nicht alles vorhersehen und es braucht immer noch den Menschen für Interpretationen“, so Ewald weiter. Daher gehöre die Zukunft der bemannten Raumfahrt. Eine lebhafte Diskussion rundete den spannenden Vortrag ab.
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academia_07_05.pdf